Kirsten Alers
Schreibpädagogin seit 1993
Diplompädagogin
Literacy Manager
Journalistin

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... eine Gruppe Gleichgesinnter in Sachen Schreiben.
Sie stocken in der Mitte einer Facharbeit oder einer Kurzgeschichte.
Sie müssen für Ihre Firma einen Homepagetext entwickeln.
Sie brauchen einen Flyer für Ihre Öffentlichkeitsarbeit.
Sie sollen für Ihre Abschlussarbeit ein Exposé schreiben.
Sie träumen davon, ein Kinderbuch oder eine Autobiografie zu schreiben.
Sie wollen schreibend äußere und innere Landschaften erkunden.
Sie möchten Methoden gegen Schreibblockaden kennen lernen.
Sie brauchen Hilfe bei der Textkorrektur.
Sie glauben, dass es Zeit ist, mit dem Schreiben zu beginnen.

Neuerscheinung

Schreiben wir! Eine Schreibgruppenpädagogik
Erschienen im Schneider Verlag, Hohengehren, im September 2016

Schreib-Blog  

27. Februar 2017
Wie fühlt sich Depression an?
Einfühlungsversuch
und Buchtipp

Auf Anregung meines Kollegen Roland Goldack versetzte ich mich letzten Donnerstag in der Schreibwerkstatt in eine Person, die an einer Krankheit leidet – ich wählte die Depression. Hier also mein Versuch, mich einzufühlen, mir vorzustellen, zu verstehen:

Diese Macht ist schwarz. Nicht wie die Nacht so samtig-schwarz, sondern wie ein schwarzes Loch. Es saugt alles an, ein Magnet, ein Monstermagnet mit einem schwarzen eisigen Schlund. In Licht-geschwindigkeit wird alles hineingesogen, alles Rot und alles Gelb und alles Blau, alles, was hell, alles alles. Nichts bleibt verschont. Das schwarze Loch ist die unerbittliche Materie, die alles alles gnadenlos anzieht, einsaugt und eliminiert. Alle Freuden, alles Helle, aber auch alle Leiden, alles Dunkle. Bis nichts mehr da ist, bis ich gar nichts mehr spüre, bis ich gar nichts mehr will – außer tot sein. Es ist die Leere, die das schwarze Loch übrig lässt. Alles verschwindet in seinem Schlund, nur die Leere nicht. Und die Leere, die füllt mich aus, in jeden Winkel dringt sie. Ich reiße die Augen auf, vor Entsetzen. Aber auch, um das kleine Fitzelchen nicht zu übersehen, das sich erfolgreich verstecken konnte, aber da ist nichts. Nur diese Leere. Nicht traurig macht sie mich, nicht bitter, nicht verzweifelt, nicht wütend, sogar die Angst verliert ihre Bedeutung. Nur entsetzt, das bin ich noch, entsetzt, weggesetzt, versetzt, verrückt. Verrückt bin ich. Denn es ist doch so: Das schwarze Loch, das ist in mir. Ich bin es selbst, die alles alles vernichtet, bis nichts mehr übrig ist und ich nur noch tot sein will. Wobei das Ich, das ist es nicht, dass das will. Denn auch das, was Ich oder Selbst oder Persona genannt werden könnte, auch das wird in den Schlund gesogen, unaufhaltsam, unerbittlich, gnadenlos. Da ist keine Hilfe. Und nichts bleibt. Außer der Leere. Da kann ich in die Tagesstätte gehen, Volleyball spielen, die Pferde füttern, Filme schauen, Musik hören, Geschichten schreiben, Freunde treffen, telefonieren – über, unter, neben, hinter allem ist immer dieses Schwarze, das alles vernichtet, kaum ist es geboren. Es duldet keine Götter neben sich, das schwarze Loch, dieses Monstrum, dieses, das in mir ist und doch um so vieles größer und stärker als alles, was ich bin. Ich bin das Plankton in den Barten des schwarzen Lochs. Und weiß nicht wie. Und wo ein Notausgang. Und warum das da ist und nicht aufhört und wie das Gegengift heißt, das die Gravitation aufhebt. Der Gegenzauber. Aus der Leere wird er nicht geboren werden. Ein Phönix wird immer aus dem Feuer geboren, niemals aus der eiskalten Leere, gegen die der Tod sich wie eine himmlische Verheißung ausnimmt. Alles implodiert und das Schwarze. Ich weiß nichts mehr. Es soll endlich aufhören. Es soll weggehen. Und aufhören.

Mehr als ein Versuch ist sicherlich das Buch von Thomas Melle Die Welt im Rücken (2016 bei Rowohlt, Berlin), in dem er in einer Mischung aus auto­biografischen Erzählungen, schreib­kreativen Annäherungsversuchen und Ausflügen in die Medizin sich mit seiner Krankheit auseinandersetzt. Das Buch kann gelesen werden als die Chronik einer manisch-depressiven Erkrankung, aber auch als ein literarisches Expe­riment, mittels der Sprache(n) die Vielschichtigkeit dieser bipolaren Er­kran­kung zu fassen.


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